Geschichte des Shotokan Karate
"Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig warm hälst."
Gichin Funakoshi
Entstehung des heutigen Karate
Okinawa-te
Das heutige Karate hat seinen Ursprung in Okinawa. Da Okinawa ein wichtiger Handelsstützpunkt zwischen Japan und China war, stand es mal unter japanischen und mal unter chinesischen Einflüssen. Ungeachtet dessen war Okinawa bis 1875 ein unabhängiges Königreich.
Im Jahr 1479 gelang es dem damaligen König Sho Shin, das Land zu einen, indem er die langanhaltenden Unruhen und politischen Machtkämpfe beendete. Um den inneren Frieden zu sichern, verbot er das Tragen von Waffen.
Der König ließ alle Waffen einsammeln und in sein Schloss nach Shuri bringen. Zusätzlich erließ er den Befehl, dass sich alle Mitglieder des okinawischen Adels in der Nähe der damaligen Hauptstadt niederzulassen hatten.
Als Konsequenz entstanden auf Okinawa zwei Formen der Selbstverteidigung. Die erste, die waffenlose Kunst (Budo genannt), wurde hauptsächlich vom Adel praktiziert und weiterentwickelt. Das wichtigste Merkmal war der Einsatz der geballten Faust.
Die Fischer und Bauern hingegen entwickelten Selbstverteidigungsarten, bei denen landwirtschaftliche Geräte (z.B. Dreschflegel, Sicheln, Paddel usw.) zu tödlichen Waffen umfunktioniert wurden. Diese Stilrichtung wurde Kobudo genannt.
Beide Selbstverteidigungsarten wurden unter strengster Geheimhaltung praktiziert.
In den folgenden Jahrhunderten blieb das allgemeine Waffenverbot erhalten, was zu einem enormen Aufschwung der Kampfkünste in Okinawa führte. So entstand auch das Karate, welches aber zunächst Okinawa-te (Okinawa-Hände) hieß.
Gichin Funakoshi - Vater des modernen Karate-Do
Einige Meister des Okinawa-te bereisten China, um weitere Erfahrungen für ihre Fertigkeiten zu sammeln. Nach ihrer Rückkehr teilten sie ihr neu erworbenes Wissen und Erfahrungen mit ihren Familien.
Einer brach mit dieser Tradition und reiste Anfang des 20. Jahrhunderts nach Japan anstelle von China: Es war Gichin Funakoshi.
Funakoshi, als Kind eher klein und kränklich, lernte Karate bei zwei der berühmtesten Meister (Azato und Itosu) seiner Zeit. Es war für ihn eine harte und entbehrungsreiche Zeit, in welcher er zu einem Ausnahme-Karateka gedieh.
Kara-te
Nach einer Karatevorführung 1922 auf Okinawa wurde Gichin Funakoshi auf Wunsch des damaligen Kronprinzen Hirohito nach Japan eingeladen, um Karate vorzustellen. Nach der Vorführung wollte er eigentlich wieder nach Okinawa zurück, blieb aber dann auf vielfachen Wunsch in Japan.
Funakoshi reiste durch das ganze Land, um Vorträge zu halten und Vorführungen zu geben. Er unterrichtete Okinawa-te und machte mit Erfolg auf diese Kampfkunst aufmerksam. Okinawa-te wurde für die Erziehung anerkannt und an den Schulen als Sport gelehrt.
Er bildete viele Schüler aus und legte immer Wert auf die Selbstentwicklung jedes Einzelnen. Damals wurde zum ersten mal der Name Kara-te (leere Hand) erwähnt. Unter diesem Namen verbreitete sich diese Kampfkunst sehr schnell.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich Karate von einer traditionellen Kampfkunst zu einem modernen Kampfsport.
Gichin Funakoshi
(1868 - 1957) Begründer des modernen KARATE-DO
Shotokan Karate
Der Begriff Shotokan setzt sich aus drei japanischen Zeichen zusammen:
Diese sind Sho (Pinie, Kiefer), To (Welle, Woge) und Kan (Großes Gebäude, Halle).
„Shoto“ war Funakoshis Künstlername und bedeutete „das Rauschen der Kieferwipfel“. Sein Dojo wurde 1939 nach seinem Künstlernamen "Shotokan" ("Kan" bedeutet Halle) benannt. Später bildete diese Wortkombination den Namen für das Karate des Funakoshis. Shotokan Karate.